BECOMING OUTLINE
Video, 70 min.
 
Legende
Video, 4K dcp, 5.1 surround, 70 min.
Drehbuch/Regie/Schnitt: mb / Kamera: Marianne Andrea Borowiec / Sound: Andreas Hamza
Tonschnitt/ Soundediting: David Almeida–Ribeiro / Musik: Stefan Nemeth
Ich–Darsteller*innen: Anna Kohler Frauenlob, Lotta Bösch, Matilda und Isabella Lurf,
Jona Moro, Gwendolin Kovacic, Katrin Kröncke, … uvm.; 
Mutter: Anat Stainberg, Vater: Thomas Hörl
Vertrieb distribution: sixpackfilm, 2024


„In becoming outline sind die 18 Grundrisse der Wohnungen, in denen ich gelebt habe, als Filmkulisse und rot gesteckter Umriss auf einer Wiese, Eins zu Eins, zu sehen – ein räumlicher Lebenslauf, der fragmentarisch das Erwachsenwerden thematisiert. Was bedeutet es, ‘im Nachteil zu sein’ und aus einer ökonomisch kapitalschwachen, patriarchalen und kulturell ungebildeten Familie mit Migrations–’Vordergrund‘ zu kommen? Was heißt das Wort ‘Selbstermächtigung’ und wie lässt sich so eine Geschichte filmisch erzählen? Mein Experiment eines konzeptionellen Coming–of–Age Films.“ (mb)

Das Feld und das Zuhause seien in der klassischen Anthropologie getrennte Erkenntnissphären, heißt es zu Beginn von Mirjam Bajtalas becoming outline. In der forschenden Konfrontation mit der eigenen (Familien)Geschichte aber fällt beides ineinander – Distanz und Vertrautheit, Objektivität und Verwoben–Sein, rationales Verstehen und affektive Betroffenheit. Entlang der Räume, die die Künstlerin in der Slowakei, Österreich, Canada und Zentralamerika bewohnt hat, unternimmt der Film den Versuch einer produktiven Auseinandersetzung, der Übersetzung eines subjektiv erfahrenen Lebens in eine künstlerische Form, in der - wie uns die die Tonspur bewohnende Erzählerin/Forscherin am Ende erläutert - „die Zerrissenheit Erfahrung wird“.

Ohne das Persönlichste zur Nabelschau des Privaten und Innersten werden zu lassen, entwirft Becoming Outline eine filmische Form, die die Dimensionen Klasse, Nation, Geschlecht als Elemente des eigenen Erlebens, der persönlichen Sozialisation, der eigenen Konstitution beschreibt. Diesen diskursiven, politischen, historischen Räumen stellt der Film das Werden eines eigenen, freieren „room of one’s own“ (Viginia Woolf) entgegen.

Film und Performance, Bilder und Stimmen, Fiktion und Dokument, die Zeichen und Affekte greifen dabei nahtlos ineinander und verweben so Wohnungen mit Sporthallen, Grenzposten mit Hotels, Lehrer*innenzimmer mit Autoinnenräumen, um sie immer wieder zurück auf ein buchstäbliches Feld zu führen und dort neu anzuordnen. Die Begegnung mit dieser Form ließe sich als involvierte/involvierende Abstraktion beschreiben, die das Einfühlen nur so weit einfordert, dass es den Spielraum der  Übertragung auf das eigene Leben für den*die Betrachter*in nicht verunmöglicht. (Alejandro Bachmann)


nach dem Buch dichtegeschichte in 18 Räumen